Hätte, hätte Pfarrerkette

Ev. Kirchler dürfen nur noch langsam fahren. So hat die Evangelische Kirche (EKD) unlängst beschlossen. Betroffen von dem protestantischen Tempolimit (100/80/30) sind Autofahrten, die in einem kirchlichen Kontext stehen, hieß es. Aber wann genau liegt so ein kirchlicher Kontext vor?
    
Eine Blitzexegese von Autobahnpfarrer Fritz Tietz

Zum Beispiel diese nächtliche Heimfahrt damals in Hannover. Gut, man hatte vielleicht zwei, drei Rote zu viel zum Abendmahl. Und dass man sich am Ende noch den schlecht Gefärbten aufhalste, der erst nur “ein bisschen Händchen falten”, dann aber, wie er wiederholt und in ziemlich schweren Zungen geredet hatte, “gerne noch auf eine schnelle Beichte mit zu Dir nach Pfarrhaus” kommen wollte, ist so sicher auch nicht geplant gewesen. Ganz sicher aber ist: Durch den Beichtwunsch des Beichtfahrers war der kirchliche Kontext gegeben. 

Wenn er aber stattdessen “nur” den Wunsch geäußert hätte, “auf einen heißen Muckefuck, von mir aus auch schnell im Stehen” im Auto mitgenommen zu werden? Oder um “mal Deine Briefmarkensammlung durchzulecken”? Nun, da wäre wohl in beiden Fällen kaum etwas Kirchliches hinein zu geheimnissen gewesen. Folglich hätte hier das protestantische Tempolimit nicht eingehalten werden müssen. 

Aber klar: “Hätte, hätte – Pfarrerkette”, wie schon der Apostel Paulus wußte. Davon abgesehen: Da es sich bei nämlicher Fahrt bekanntlich um einen cursus interruptus handelte, also eine unterbrochene Autofahrt, könnte sie auch in einem ganz anderen Kontext gestanden haben.

Amen.