Ulrich Siegmund wird als erster AfD-Politiker Protagonist eines New-Adult-Romans. Das erste Kapitel ist bereits geschrieben.
Als Ulrich Siegmund an diesem Abend die Simson vor seinem Haus abstellte, hatte er das Gefühl, aus einem fremden Leben zurückgekehrt zu sein. Magdeburg lag hinter ihm. Der grandiose Wahlsieg, der unbeschreibliche Jubel, die vielen Kameras. Berlin, am nächsten Tag, hatte noch eins drauf gesetzt: Männer in dunklen Anzügen und Frauen in teuren Kostümen. Bedeutungsvolle Blicke, Türen, die sich hinter ihm schlossen, und Sätze, die mit „wenn du jetzt Verantwortung übernimmst“ anfingen. „Verantwortung!“ Siegmund mochte das Wort inzwischen ungefähr so wie Zahnschmerzen.
Er nahm den Helm ab, strich sich durch das Haar und betrachtete sein Haus. Endlich. Keine Parteizentrale. Keine Pressekonferenzen. Keine Menschen, die ihm erklärten, wie groß sein Sieg war. Nur Tangermünde, seine Stadt. Und Julia, seine Frau.
Als er die Tür aufschloss, erwartete sie ihn bereits im Flur. Mit diesem Lächeln, das er kannte. „Hallo Wahlsieger.“ Sie sagte es mit einem Unterton, der ihm sofort verriet, was heute Abend noch auf der Agenda stand. – „Julia, ich bin völlig fertig.“ – „Das trifft sich gut.“ – „Wieso?“ Sie trat näher, strich ihm über die Nasenspitze: „Ich nicht.“
Als sie ihn ins Schlafzimmer zog, sah er überall die Kerzen. Und die Flasche Rotkäppchen im Kühler. Und Julia, mit plötzlich viel weniger Stoff am Körper als eben noch. Klar, er liebte dieses Nichts von einem Negligé, hatte es einmal „DDR-Erotik in Reinform“ genannt. Und das nicht nur, weil es einst in einem volkseigenen Trikotagen-Betrieb gefertigt worden war.
Jetzt aber sah er die schwarze Plaste und musste schlucken. Und als sie ihre Arme um ihn schlang und die Spitze zwischen ihnen elektrisch knisterte, wurde ihm schlagartig klar: Julia wollte ihn. Nicht den Strahlemann und Wahlkämpfer, nicht den Politiker, der nun allen gehörte. Nur ihn. Ihren Uli. Sie küssten sich.
Als er innehielt, schreckte Julia zurück. – „Was ist?“ Ihr Mann stand da, hielt die Augen geschlossen. „Es tut mir leid … aber ich kann gerade einfach nicht.“ Er ließ sich auf die Bettkante sinken. Seine Schultern hingen herunter. Julia wollte etwas Flottes sagen. Einen frechen Spruch. Irgendetwas, das die Situation leichter machte. Doch dann sah sie seine Augen: „Hey.“ Er antwortete nicht. „Schatz?“ Und dann sah sie die Tränen darin. Julia erstarrte: „Oh Gott.“
„Es tut mir leid“, murmelte er. – „Schon gut.“ – „Nein.“ – „Uli.“ – „Ich kann nicht.“ Die Kerzen flackerten. Er schlug die Hände vors Gesicht. – „Was ist denn los?“ Er antwortete nicht. Sie setzte sich neben ihn: „Hey.“ Langsam nahm er die Hände herunter. Sein sonst so jungenhaftes Gesicht war nass und fahl. „Ich kann das nicht.“ – „Was?“ – „Ministerpräsident.“ Er lachte kurz auf. Es war ein trauriges, erschöpftes Lachen. Eine Weile sagte keiner etwas. Dann fragte Julia vorsichtig: „Hast du Angst?“ Uli starrte auf den Boden. „Ja.“ Er schluckte. „Eine Scheißangst.“
Das Wort hing zwischen ihnen. „Aber du hast doch gewonnen.“ – „Genau das ist ja das Problem.“ Er stand auf, ging zwei Schritte durchs Zimmer und wieder zurück. „Der Wahlkampf war ein Rausch. Alles war einfach. Immer nur: gewinne, gewinne, gewinne. Das Volk jubelte, die Kameras liefen, alle sagten, du bist der Richtige.“ Er zeigte auf sich. „Ich! Der Richtige!“ Julia schwieg.
„Aber was kommt jetzt?“ Er setzte sich wieder. „Ich kann das doch gar nicht.“ – „Was genau?“ „Ministerpräsident sein.“ Er sprang auf. „Ich bin Kaufmann! Ich kann Raumdüfte verkaufen!“ Julia nickte ernst. „Das habe ich immer an dir bewundert.“ – „Aber Ministerpräsident?“ Er deutete verzweifelt auf sich: „Woher soll ich wissen, wie das geht?“ – „Vielleicht gibt es im Netz eine Bedienungsanleitung.“ – „Sehr komisch.“ Er lief im Zimmer auf und ab. „Tino macht Druck. Alice macht Druck. Und Hans-Thomas erst!“ – „Tillschneider? – „Ja! Der Rumäne.“ Julia hob die Augenbrauen. „Er hat mir die ganze Scheiße doch eingebrockt.“ – „Welche Scheiße?“ – „Diese ganze Machtübernahme! Dieses beschissene Regierungsprogramm, von dem jetzt alle erwarten, dass ich es umsetze.“ – „Vielleicht hättest du es vorher mal lesen sollen.“ Uli sah sie an, als hätte sie ihm vorgeschlagen, mit nackten Füßen über Legosteine zu laufen. Dann ließ er sich wieder aufs Bett fallen.
„Ich würde freiwillig eine Packung Klosteine lutschen, wenn ich wieder mein altes Leben hätte.“ Julia musste lachen. „Was?“ – „Nichts.“ – „Du lachst über mich?“ – „Nein.“ Sie rückte näher. „Ich lache darüber, dass der Mann, den die halbe Welt für den Retter Deutschlands hält, auf der Bettkante sitzt und von Klosteinen fantasiert.“ – „Das ist nicht fair.“ – „Nein?“ Sie strich ihm durchs Haar. „Aber irgendwie süß.“ Uli sah sie misstrauisch an: „Süß?“ – „Ja, sehr.“ – „Ich habe Angst, und du findest das süß?“ – „Ja.“ – „Warum?“
Julia lächelte wieder ihr Lächeln. Das brachte ihn zum Schweigen. Sie küsste ihn auf die Stirn. Dann nahm sie sein Gesicht in beide Hände: „Du musst heute nichts entscheiden.“ – „Aber …“ – „Heute nicht. Und morgen rufen wir Frau Holms an.“ Uli stöhnte: „Mein alte Benimmlehrerin? Die mir beigebracht hat, welche Gabel man nimmt?“ – „Vielleicht bringt sie dir auch bei, wie man Ministerpräsident wird.“ – „Das ist unwahrscheinlich.“ – „Dann erklärt sie dir wenigstens, wie man dabei souverän aussieht.“ Jetzt musste er lachen.
Julia stand auf und schenkte Rotkäppchen nach. „Komm.“ – „Wohin?“ Sie hielt ihm sein Glas hin. „Auf den größten Wahlsieger seit Adolf Hitler!“ Uli nahm es. „Und auf meinen kleinen Feigling.“ Sie stieß mit ihm an. „Auf meinen Mann.“ Er sah sie an. Diesmal war sein Lächeln nicht schief. Auch nicht politisch. Einfach nur echt. „Julia?“ – „Hm?“ – „Danke.“ – „Wofür?“ – „Dass du mich nicht für den hältst, für den mich gerade alle halten.“ Sie stellte das Glas ab und zog ihn zu sich.
Magdeburg konnte warten. Auch Berlin konnte warten. Die große historische Stunde konnte ebenfalls warten. Denn für diese Nacht war Ulrich Siegmund nicht der Mann, von dem sich alle versprachen, dass er ein Land in den Abgrund reißt. Er war einfach nur Uli. Ihr Uli.
Sei’s trumm
Die frisch installierte Neue Sternbrücke entzweit Hamburg und hat in der Hansestadt einen schweren Brückenschaden angerichtet. Sei`s trumm!
In s/w wirkt die Neue Sternbrücke noch monströser. Foto: Internet
Welche Bücher unsere Regierenden mit in den Urlaub nehmen
Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) will in seinen Ferien (auf Saltkrokan) auf jeden Fall ein Sachbuch lesen. „Welches, ist egal,“ lässt der Finanzminister mitteilen. Einzige Bedingung: „Es muss in Arial, 14 Punkt gesetzt sein. Alles andere ist für einen, der Lesebrillen schon aus fiskalischen Gründen ablehnt, eine Qual.“ Gerne dürfe sein Buch aber Bilder enthalten, „weil man dann zwischendurch mal was anderes sieht als nur Buchstaben.“ Ganz wichtig: Sein Buch sollte Seitenzahlen aufweisen: „Damit ich immer weiß, auf welcher Seite ich mich gerade befinde.“ Die Frage, ob er „Seitenzahlen oben“ besser fände als „Seitenzahlen unten“, ließ der SPD-Chef offen. „Mir wäre allerdings sehr daran gelegen, wenn auf eine gerade Seitenzahl immer eine ungerade folgte. Und umgekehrt.“
Als frisch berufener CDU-Fraktionschef kann Thorsten Frei seine ursprünglichen Urlaubspläne (drei Wochen Nacktwandern in der Ägäis) „leider“ nicht aufrecht erhalten. Er werde deshalb diesen Sommer „die Wanderklotten höchstens mal stundenweise abstreifen“, um etwa auf dem Naturistenweg Undeloh zehn Kilometer durch die Lüneburger Heide oder auf dem 18 Kilometer langen Harzer Naturistenstieg durch Sachsen-Anhalt „zu flitzen“, wie Frei das augenzwinkernd nennt. „Ich bitte um Verständnis, dass ich in meinem ‚Adamskostüm‘ nicht auch noch ein Buch mitführen kann. Der einzig denkbare Platz muss für mein Diensthandy reserviert bleiben, damit ich für die Fraktion jederzeit erreichbar bin und bei Bedarf nach Berlin eilen kann. – Wie bitte? Natürlich ziehe ich mir dann wieder etwas über.“ Keine weiteren Fragen.
Als neuer Bundestrainer will Jürgen Klopp (DFB) vor seinem diesjährigen Sommerurlaub erst mal alle Bücher in die Hand nehmen, bevor er sich entscheidet, welches er mitnimmt. „Das kann dann ein Buch sein, das jetzt vielleicht noch gar nicht damit rechnet,“ so „Kloppo“ auf einer eigens anberaumten Pressekonferenz zum Ferienbeginn. „Jetzt geht’s erst mal zum jährlichen Gebiss-TÜV nach Dubai, danach ist nur noch Abhängen angesagt, bevor ich mich im Herbst an die endgültige Aufstellung der Mannschaft mache.“ Ob er lieber im Sitzen lese oder im Stehen? „Auf jeden Fall nie im Bett,“ lässt da der Hoffnungsträger vieldeutig durchblicken.
Auch Bildungsministerin Karin Prien (CDU) ist noch unentschlossen, welches ihrer beiden Lieblingsbücher („Winnetou“ von Karl May und „Winnetou 2“ mit Piere Briece) sie mit in den diesjährigen Bildungsurlaub nimmt. Das auch, weil noch unklar ist, wohin die Reise geht. Die CDU-Politikerin schwankt zwischen „Fermentieren für Anfänger*innen“ in Bad Soodbrennen-Allendorf und „Tätowieren leicht gemacht“ in Ferdi’s Tatoo-Office in Kiel-Wik. „Ich kann mir aber auch gut vorstellen, einfach mal drei Tage hintereinander an der Husumer Schloßluke zu verbringen,“ sagt Frau Prien nachdenklich. Also an jenem, von Bernd Biermann im Schloßgang der grauen Stadt betriebenen, gerade mal vier Quadratmeter großen Kaffeeausschank mit seinen garantiert authentischen sozialen Kontakten zu Einheimischen, Zugereisten und Touristen (geöffnet Donnerstag, Freitag und Samstag von 10 bis 13 Uhr). „Die vier Quadratmeter, die jeder kennt, – so das Luke-Marketing – , wäre übrigens ein verdammt guter Titel für ein bestimmt sehr lesenswertes Sommerbuch,“ so Prien. Findet „übrigens“ auch ihr Parteikollege Patrick Schnieder. Er hat sich vorgenommen, es in seinem Urlaub (sechs Wochen Interrail) zu schreiben. „Hab ja jetzt Zeit genug,“ so der Bundesverkehrsminister a.D..
Die offizielle Anfrage, welches Buch er in den Ferien lesen werde, beantwortete Neu-Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) erst nach der mehrfachen Androhung, wir würden sonst einfach behaupten: „Doktor Schiwago“. „Diesen albernen ‚Arztwitz‘“, so Linnemann darauf gewohnt pfiffig, „hat mein Bundeskanzler schon zweimal gemacht, und natürlich habe ich da herzlich und schallend drüber gelacht, wie es nun mal meine falsche Art ist: mit weit aufgerissenen Augen bei zugleich sozialkaltem Blick. Aber mal unter uns: dieser, ja wohl irgendwie auf meine etwas verfahrene berufliche Situation anspielende Schiwago-Scherz ist doch am Ende bloß so billig wie die medizinische Versorgung unter meiner Ministerägide hoffentlich werden wird … wie bitte? Natürlich wird das nur auf Kosten der Kranken und Schwachen gehen, wie denn sonst?“ Er will in seinem Urlaub (wie immer: in Demut) zwei Bücher lesen: „‚Doktor Faustus‘ von Thomas Mann, wenn auch – aus Zeitgründen – nur in einer Kurzfassung als pdf-Download. Und ‚Connie geht zum Arzt‘ in der Lesemaus-Ausgabe von Liane Schneider.“ Wolfram Weimer (parteilos) möchte sich in diesem Sommer endlich „Juckende Jungs“ von Günter Grass vornehmen; also jene „teils wahren, teils ausgedachten Schnurren über die ersten Annäherungen des späteren Schnurrbart- und Nobelpreisträgers ans weibliche Geschlecht“, wie es vor Jahren mal in einem Wikipedia-Beitrag stand, bevor dieser wieder gelöscht wurde. Doch da war der spätere Kulturstaatsminister bereits angefixt: „Die Handlungen dieser – ich zitiere jetzt mal Wikipedia – ‚teils entzückend, teils abstoßend ausgeschmückten Coming-of-Age-Erzählungen des spermatösen Pubertiers sind allesamt im Danzig der frühen 1940er Jahre angesiedelt‘. Da trifft es sich doch gut, dass wir diesen Sommer eine Fahrradtour dorthin machen und dann natürlich alle Original-Schauplätze aufsuchen werden.“ Auf den Hinweis, dass es so ein Grass-Jugendwerk überhaupt nicht gibt, lässt Weimer mitteilen: „Macht nichts. Dann lese ich eben was anderes.“
Fritz Tietz
Sommer im Film
Es gibt ein Motiv, das nur im deutschen Kino auftaucht. Das aber mit einer Häufigkeit, die, wenn man erst begonnen hat, darauf zu achten, verblüffend ist: der Badesee. Mein Beitrag zur nd-Sommerfilm-Serie.
Screenshot aus: nd-aktuell
Gesinnungsschwenker, nein danke
Opa erzählt vom Zivildienst. Und warum er auf seinen Status als staatlich anerkannter Kriegsdienstverweigerer im Leben nicht verzichten wird. Meine kleine Wohlfühlkolumne in der taz.
Deutschlands erster Insolvenzclown
Seit zwei Jahren geht Daniel Werth bei Pleiten, Entlassungen und Betriebsstilllegungen unter seinem Künstlernamen „Danny Dilemma“ in die Unternehmen, um die Betroffenen zu trösten, aufzumuntern und von ihren Ängsten abzulenken.
Wachsechter Ulf
Lange hatte sich Erfolgsautor Ulf P. ("Cheeseburgertum") geziert. Jetzt endlich hat er sich in den Ateliers von Madame Tussauds vermessen lassen. Spätestens mit Erscheinen von "Elfenbeintum", dem dritten Band seiner Wutbürger-Trilogie, wird eine wachsechte Version von ihm fertig gestellt sein.
Der Steffen-Bilger-Ähnlichkeitswettbewerb
Der weltweit einzige Nachahmer-Contest zu Ehren eines Bundestagsabgeordneten. Sechs Kandidaten sind angetreten, um den Ludwigsburger CDU-Politiker Steffen Bilger in seiner ganzen Vielschichtigkeit zu imitieren. Mein Bericht vom "Abend der unaufgeregten Demokratie" aus dem ausverkauften Vaihinger Gasthof "Schweinen"
Absteigen
Warum es für Radfahrende manchmal doch besser ist, abzusteigen. Meine kleine Feelgood-Kolumneüber deutsche Verkehrsregeln und wie man sie überlebt.
Deep Fake
115 Menschen aus ganz Deutschland (einer sogar aus Australien) haben auf den gefälschten Web-Auftritt eines kleinen niedersächsischen SPD-Ortsverbands reagiert und den Parteieintritt beantragt. Doch was versprechen sich die unbekannten Deep Faker von einer gefakten Variante der SPD? Mein Deep-Fake eines Deep-Fakes auf der Wahrheitseite der taz.
Benzinwut extrem
"Andreas hatte gerade die Kirche betreten, als sein Blick auf die Liedertafel fiel. Und was sah er? 321, 443, schwarze dreistellige Zahlen. Zwei weitere sogar mit einer fünf vorne … In diesem Moment verschwammen Realität und Wahn zu einem Gemenge aus Argwohn und Angst. Denn für ihn waren das keine Gesangbuchnummern. Es waren Preise. Unverschämt hohe Spritpreise. 3 Euro 21 für Super. 4,43 für Diesel." Tränen aus Tankpistolen. Ein berührender Wahrheit-Report zur grassierenden Benzinpreiswut.
Als Gastrednerin der diesjährigen Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag galt die Holocaustüberlebende Tova Friedman noch bis gestern als fest gesetzt. Um so mehr überrascht die heute durchgesickerte Nachricht, dass die Rede morgen im Plenarsaal des Reichtags doch nicht von Frau Friedman, sondern von der 1917 in Łódź geborenen und 1943 von den deutschen Besatzern in Warschau hingerichteten polnisch-jüdischen Partisanin Niuta Tajtelbaum gehalten wird – und damit erstmals überhaupt von einer Ermordeten. Kaum zu glauben?
Niuta Tajtelbaum war eine polnische Untergrundkämpferin im besetzten Warschau. 1943 von den deutschen Besatzern ermordet, spricht sie am 28. Januar 2026 im Bundestag. Foto: Wikipedia
Aus aktuellem Anlaß gibt es heute eine Programmänderung im deutschen Fernsehen: Statt eines „Brennpunkts“ kommt die große Friedensshow im Ersten (Wiederholung vom 15.2.2023)
Die unlängst eingeführte Führerscheinklasse S (wie Simulator) erlaubt ihren Inhaberinnen und Inhabern ausschließlich mit Fahrsimulatoren zu fahren. Mit einem Kfz am realen Straßengeschehen teilnehmen dürfen sie nicht. Für Bastian aus Buchholz i.d.N. ist das kein Problem. Der IT-Experte "pendelt" jetzt einfach immer im Hobbykeller zur Arbeit. Meine Reportage über Deutschlands ersten Klasse-S-Absolventen.
In der Lüneburger Heide kann man jetzt mit dem Gaza-Adventure-Dorf eine Art Krisenerlebniswelt besuchen: Eine Mischung aus Themenpark, Freilichtbühne und Abenteuertraining. Mein Bericht über eine Begehung des touristischen Geländes auf der Satireseite der taz (Die Wahrheit) stieß bei vielen Leserinnen und Teilen der taz-Redaktion auf heftige Kritik, weswegen das verantwortliche Ressort diese Erklärung nachschob. Der taz-Redakteur Mitsuo Iwamoto schrieb anschließend eine Gegenrede, die wiederum vielfach kommentiert und kritisiert wurde (dazu bitte auf der Taz-Seite ganz nach unten scrollen).
Update, April 2026: Der Beschwerdeausschuß des Deutschen Presserats weist sechzehn bei ihm eingegangene Beschwerden über die Gaza-Satire auf der Wahrheitseite der Taz als unbegründet zurück. In einer Stellungnahme vom 27. April 2026 heißt es:
"Der Beschwerdeausschuss bewertet den Artikel als eindeutig erkennbare Satire, die keinesfalls als Faktenbeschreibung missverstanden werden könne. Die Textform der Satire macht die kritisierten Passagen zulässig. Auch im Übrigen ist die Beschwerde unbegründet. Darüber, wie qualitativ hochwertig und geschmackvoll ein satirischer Beitrag ist, kann der Presserat nicht entscheiden."
Insgesamt liege damit kein Verstoß gegen die publizistischen Grundsätze des Deutschen Presserats vor. Die Entscheidung erging einstimmig.
Leiden auf vier Rädern
"Als Marcel sah, wie Arbeiter überall Fahrradbügel aufstellten, bekam er Herzrasen, Atemnot, Kreislauf. Die Diagnose: Erhöhter Parkdruck." Mein aufrüttelndes Bulletin zu einer neuen Stresserkrankung, die immer mehr Kfzler befällt.
Merz‘ Mann fürs Rohe
Wie tickt der neue Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer privat? Ein Besuch in der bayerischen Heimat des gelernten Metzgers und CSU-Politikers.
Mit Pansen und Lebertran
Was als anarchistischer Lärmschutz im sauerländischen Antfeld begann, ist mittlerweile zur bundesweiten Bewegung geworden: Carpainting. In Berlin werden bevorzugt Radwegeparker markiert. In München trifft es SUV-Fahrer. Und die Kreativität bei der Munition kennt keine Grenzen. In Bielefeld nutzen sie ein Gemisch aus Leberwurst, Lebertran und verdorbenem Spinat.
Das dokKa-Festival in Karlsruhe
Vom 30. April bis zum 4. Mai findet in Karlsruhe die 12. Ausgabe des dokKa-Festivals statt. Am Samstag, 3. Mai läuft dort in der Kinemathek um 20.30 h das Radiofeature "Solidarisch preppen" von Fritz Tietz. Danach gibt es ein Gespräch mit dem Autor.
Gesang der Radfahrer
Der "Gesang der Radfahrer" von Fritz Tietz lief beim 19th International Cycling Film Festival in Herne als letzter von elf Filmen im Wettbewerb um die Goldene Kurbel. Es gab viel Applaus und Bravo-Rufe, aber leider keinen der Jury-Preise. Auch die Entscheidung um den Publikumspreis fiel knapp gegen den Gesang aus. Dafür wurde er seit Herne auf YouTube über 100 mal geklickt (Stand 9. April). Wer diese Rate noch steigern will: Bitteschön.
Solidarisch preppen
Keine Frage, der Kollaps kommt. Davon ist Fritz Tietz überzeugt. Aber statt die Hoffnung aufzugeben, beschließt er, sich zusammen mit seinen Nachbarn auf künftige Notlagen vorzubereiten. "Solidarisch preppen" nennen Aktivisten diese Strategie der gemeinschaftlichen Kollapsvorsorge. Problem nur: Tietz hat den Kontakt zu den Nachbarn in seiner ländlichen Gemeinde bisher eher gemieden.
Wer in deutschen Großstädten die U- und S-Bahnen nutzt, trifft sie immer wieder: die sogenannten Ansprachebettler. Fritz Tietz hat einige von ihnen in Hamburg begleitet und sie mit Vertriebs- und Marketingexperten zusammengebracht. Das Ziel: Optimierung ihrer Erträge.
Ein schlichter Pappkarton, darin 36 Filmspulen, die zusammen mehr als vier Stunden Film im Format Super 8 enthalten: So sieht es aus, das Archiv des im Februar 1980 verstorbenen Bielefelder Filmemachers Andreas Grube. Andi war gerade mal zwanzig, als er an Asthma, an dem er von Geburt an litt, starb.
Jahrzehntelang waren die Filme nur Andis Familie zugänglich. Dank der Unterstützungvon Freundinnen und Freunden konnte die Familie die Filme digitalisieren lassen. Fritz Tietz hat aus dem größtenteils ungeschnittenen Material 16 Kurzfilme zwischen einer und 16 Minuten Länge zusammengestellt und sie am 5. Oktober 2024 im MuMa-Forum, dem Bielefelder Museum für Filmkunst & Filmtechnik, erstmals öffentlich gezeigt.
Rund 70 Personen, darunter etliche Freunde und Freundinnen, ehemalige Weggefährten, Mitschüler und Mitstreiterinnen Andis, sahen die von Andreas Liebold moderierte zweistündige Präsentation der Andi-Filme. Viele der Zuschauer und Zuschauerinnen zeigten sich hinterher schwer beeindruckt und zutiefst angefasst vom Zauber der zwischen 1974 und 1980 entstandenen Bilder. Und den mit ihnen wieder belebten Erinnerungen an den großartigen Menschen, Freund und Künstler Andreas Grube.
Andis Filme können aus rechtlichen Gründen nicht frei im Netz zugänglich gemacht werden. Aufführungen wie die im MuMa oder in ähnlichen Rahmen sind möglich.
Eingerahmt von den Film-Legenden Friedrich-Wilhelm Murnau und Joseph Masolle wurden die Super-8-Filme aus Andis Vermächntnis erstmals nach 45 Jahren im Bielefelder MuMa-Forum gezeigt. (Foto: Melanie Thies)
Foto: Fritz Tietz
Foto: Holger Schettler
Foto: Holger Schettler
Foto: Fritz Tietz
Foto: Holger Schettler
Foto: Holger Schettler
Foto: Michael Wiegert
Foto: Michael Wiegert
Faust in Wümme
"Kommt in die Gänge!" Am 30. September 2024 ist Fritz Tietz mit seinem Radio-Feature "Faust in Wümme" zu Gast im 12.Hamburger Hörkiosk.
Gesang der Radfahrer
"Radler erhebt euch und kämpft für die Radfahrerrechte / Kämpft und erobert die Straße dem Zweiradgeschlechte ..."
So beginnt der "Gesang der Radfahrer", das kettengetriebene Kampflied zur Verkehrswende. Vier velotionäre Strophen zum Mitsingen. Die Kfzler hupen vor Wut.
"Kurbler der Kurbel, vereint eure Ketten zum Bunde / Muskelkraft richtet die Motoridioten zugrunde / Sie stehn im Stau / Ihr zieht vorbei im Frühtau / Radfahrer nützet die Stunde"
"Watten watten, mittem Rad? Wie wir Kampfradler so ticken"Lesung und Filme von und mit Fritz Tietz"Heute Abend war der wunderbare Fritz Tietz bei uns zu Gast. Fritz Tietz ist gelernter Kampfradler und hat seine Erlebnisse auf dem Rad in Texten und Filmen verarbeitet, die er uns neben Werken seines Freundes, des 2013 verstorbenen Satirikers Horst Tomayer, präsentierte.”Peter Eckhoff von Buchholz fährt Rad e.V. nach der Premiere auf InstagramAnfragen und Buchungen
Von wegen normal
Zu Hause trägt Tino Chrupalla am liebsten Barfußschuhe. Überhaupt gilt der AfD-Vorsitzende privat als ziemlich schräge Type. Ein Hausbesuch im sächsischen Wurstwasser.
»Was willstu Scheißradfahrer denn!« – »Runter vom Radweg, Drecksautler!« Der Streit zwischen Radlern und Autofahrern eskaliert regelmäßig und gut dokumentiert durch Helm- oder Body-Cams. nd-Autor Fritz Tietz über die Kampfzone Straße.
Triumph des Willens
Fritz Tietz heißt der alte und neue Weltmeister im Salatschleudern.
Träumst du schon?
Träumst du schon oder trainierst du bereits? Kleb Dir die passende Botschaft auf dein Auto statt weiter bloß auf das Tempolimit zu warten.
Als Kitas hierzulande noch nicht Rasselbande, Lummerland oder Dreikäsehoch hießen, sondern Kindergarten der evangelischen Stiftsgemeinde zu Schildesche (oder ähnliche, das Kindswohl fördernde Namen trugen), war der unförmige Zellhaufen, der später als der schreckliche CDU-Politiker Tilman Kuban wieder geboren werden sollte, eine ziemlich glitschige, an sich aber ganz sympathische Kröte, die bei dem Versuch, in ihren Begattungssumpf zu gelangen, leider von einem Auto platt gemacht wurde.
Ein gewisser Fritz Tietz, der vor seiner Wiedergeburt 1958 unter anderem ein freundliches Rotkehlchen, ein glänzender Goldlaufkäfer und ein depressiver Marderhund gewesen war, war da bereits ein stattlicher, wenn noch recht junger Mensch, und die Kita, in die er ging, besagter Kindergarten im Bielefelder Stadtteil Schildesche.
1964 war’s, als der Fünfjährige, der damals noch vornehmlich Andreas gerufen wurde, auf Geheiß seiner Kindergärtnerin ein Wachsmalkratzbild von einer Blume anfertigen musste. Es sollte sein Muttertagsgeschenk werden. Der kleine Andreas hatte zwar null Lust, seiner Mutti was zu kratzen, aber als das Bild fertig war, gefiel es ihm sehr gut. Und auch seiner Mutter gefiel es.
Vor ein paar Jahren ist sie gestorben, aber was soll’s: sie ist längst wieder geboren. Und zwar, wenn die Vorsehung alles richtig gemacht hat, als ein höchst problematischer Problemwolf, der schon bald den seit 1987 existierenden CDU-Schurken Kuban in einem Waldstück nahe seines Wohnorts Barsinghausen reißen und derart zurichten wird, dass von dieser fleischgewordenen CDU-Niedertracht namens Tilman Kuban nichts übrig bleibt als seine Hose; eine dieser Hosen übrigens, die der schäbige CDU-Gauner namens Tilman Kuban stets um zwei Nummern zu eng zu tragen pflegt, warum auch immer. “Danke Mutti”, wird man dann jedenfalls Andreas, der inzwischen Fritz heißt, leise sagen hören.
Aber das ist eine Mutti-Geschichte, die noch passieren wird. Eine andere erzähle ich hier.
Unsern täglich Unfall gib uns heute
Sich anders fortbewegen als mit dem Auto? Daran wollen viele Landbewohner nicht mal denken. Und begreifen deshalb die ständigen und häufig besonders üblen Landstraßencrashs lieber als unvermeidliche Naturkatastrophen, meint nd-Autor Fritz Tietz: Unsern täglich Unfall gib uns heute.
Aktuelle Programmänderung
Okay, eine Petition. Und dann? - Wie wär's mit einer bunten Verhandlungsshow im deutschen Fernsehen? Das große Friedensmanifest im Ersten. Mit Sahra Wagenknecht, Alice Schwarzer und den verhandlungsstärksten Erstunterzeichnern Deutschlands. Eine aktuelle Programmänderung.
Die Gemeinde Seevetal probt den Aufstand. Aber nicht gegen den ganz realen Irrsinn von drei dauerlärmenden Autobahnen, sondern gegen eine bisher bloß geplante Eisenbahn."Der ND-Bericht von Fritz Tietz wäre eine Glosse, wenn er nicht genau beschreiben würde, was dort abgeht." (VCD Niedersachsen)
The Mulde
“Die Mulde” hieß eine von Max Goldt und Marcus Weimer gestaltete komische Kolumne, die im Oktober 1991 in der Monatsschrift Kowalski erschien. Nach zwölf Ausgaben verschwand sie ohne Nachhall in der Versenkung. Könnte vielleicht ganz witzig sein, sie wieder zu heben (2022)
Fritz Tietz schreibt, filmt und telefoniert für verschiedene Auftraggeber und Medien. Zuletzt für Deutschlandradio, Neues Deutschland, Taz, das legendäre DRECK-Magazin, Jungle.World, Frankfurter Rundschau, prinzessinnenreporter.de, NDR Radio Niedersachsen und (alias Headhunter Wolfram Knoth bzw. Grenzschützer Sascha Bott) für Titanic.
Er veröffentlichte zahlreiche Kommentare, Satiren und Kolumnen u.a. für TAZ- Wahrheit und TAZ-Leibesübungen ("herr tietz macht einen weiten einwurf"), Frankfurter Rundschau, Kowalski, Titanic, Eulenspiegel, NDR- und WDR-Hörfunk.
Er belieferte von 1993 bis 2002 diverse TV-Formate der ARD (Extra Drei, Küppersbuschs Privatfernsehen, Monitor, Polylux) mit satirischen Kurzfilmen und fiktiven Reportagen.
Fritz Tietz ist neben Marit Hofmann und Christoph Hofrichter einer der drei Chronöre Horst Tomayers, die "Das Wort Hottes" in bisher zehn Hottesdiensten in Falkensee, Potsdam, zweimal in Stuttgart, Esslingen, Fürstenfeldbruck, Hottenbach, Berlin und dreimal in Hamburg präsentierten. Weitere Hottesdienste sind in Planung.
Fritz Tietz wurde 2010 für zwei TV-Spots für VW-Caddy gebucht.
Er stand von 1987 bis 1992 als Redakteur in Witzdiensten der Hamburger Satireschrift Kowalski.
Er absolvierte ein abgebrochenes Theologiestudium (evangelisch), war dann Autor, Schauspieler, Regisseur und Direktor beim Bielefelder Frapp-Theater und zusammen mit Hans Zippert, Christian Y. Schmidt, Rüdiger Stanko und Harald Lippert Herausgeber des legendären Bielefelder Dreck-Magazins, ehe er 1986 bei Titanic in Frankfurt/Main volontierte.
Fritz Tietz wurde 1958 als Andreas Tietz in Bielefeld geboren.
BücherUnd drinnen spielt ein Mongoloidenkapellchen – Schmonzetten, Reportagen, Geschichten – Verlag Weisser Stein, Greiz 1995
Die Kunst einen Papst zu erlegen – Aufzeichnungen aus dem Giftschrank – Edition Tiamat, Berlin 2000
Zwischen Gourmetstation und Suppenhaarmuseum – Expeditionen in die Provinz – Edition Tiamat, Berlin 2003
Und vorne brennt die Luft – Aus der Welt der körperlichen Ertüchtigung – Edition Tiamat, Berlin 2005
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fritztietz.de ist die Website von Fritz Tietz
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